Dieser Artikel richtet sich an Instandhaltungsleiter, Werkleiter, Produktionsleiter und Verantwortliche für kontinuierliche Verbesserung in mittelständischen Betrieben, die mit Störmeldungen arbeiten und trotzdem das Gefühl haben, dass die Verfügbarkeit ihrer Anlagen schlechter ist, als die Auswertung der Instandhaltung zeigt. Er erklärt, warum eine Störmeldung und ein Stillstand selten dieselbe Dauer haben, in welche Phasen sich ein Stillstand zerlegen lässt und welche Stillstandsdaten die Instandhaltung wirklich braucht, um MTTR und Verfügbarkeit belastbar zu berechnen.
- Eine Störmeldung misst die Zeit des Auftrags, nicht die Maschinenzeit.
- Meldezeit und Wiederanlauf fehlen in den meisten Auswertungen.
- Kurze Stillstände ohne Meldung fehlen in der Verfügbarkeit ganz.
- Messung und Instandhaltungssoftware ergänzen sich.
Was EquipPanel über Stillstand und Verfügbarkeit im Mittelstand schreibt
Im Beitrag Fabriksstillstand reduzieren: Instandhaltung und Verfügbarkeit im Mittelstand beschreibt EquipPanel, Anbieter einer Instandhaltungssoftware für kleine und mittlere Unternehmen, warum ungeplante Stillstände gerade den Mittelstand hart treffen und wie Betriebe von der reaktiven zur präventiven Instandhaltung kommen. Unter den praktischen Schritten zur Reduzierung von Ausfallzeiten steht ein Punkt, der für diesen Artikel den Ausgangspunkt bildet: „Kennzahlen beobachten: Stillstandsminuten, MTTR und Verfügbarkeit pro Schlüsselanlage.“
EquipPanel geht dabei auch auf typische Hürden ein: Betriebe, die erst reparieren, wenn die Anlage steht, Wartungspläne in Excel und Digitalisierungsprojekte, die im Alltag scheitern. Der Beitrag liefert damit die Sicht der Instandhaltung auf Strategie, Planung und Dokumentation. Dieser Artikel ergänzt ihn um die Messseite in der Produktion: Woher kommen die Stillstandsminuten, die in MTTR und Verfügbarkeit einfließen, und wie genau sind sie, wenn sie nur aus Störmeldungen stammen?
Störmeldung und Stillstand: zwei Uhren, die selten gleich gehen
In vielen Betrieben ist die Störmeldung die einzige Quelle für Stillstandszeiten. Ein Bediener meldet die Störung, die Instandhaltung nimmt den Auftrag an, repariert und schließt ihn. Aus Beginn und Ende dieses Auftrags entsteht die Stillstandsdauer, aus der Summe der Aufträge die Verfügbarkeit. Das ist nachvollziehbar, misst aber die Zeit des Auftrags, nicht die Zeit, in der die Maschine nicht produziert hat.
Zwischen beiden Uhren liegen regelmäßig Lücken:
- Die Maschine steht, bevor jemand meldet. Der Bediener versucht es zuerst selbst, holt den Schichtleiter oder ist an einer anderen Maschine. Diese Minuten stehen in keinem Auftrag.
- Die Maschine läuft, aber noch nicht richtig. Nach der Reparatur wird der Auftrag geschlossen, die Anlage braucht aber noch Zeit bis zum stabilen Takt oder produziert die ersten Teile als Ausschuss.
- Kurze Stillstände werden nie gemeldet. Ein Stopp von zwei Minuten, den der Bediener selbst behebt, erzeugt keine Störmeldung. Wiederholt er sich zwanzigmal pro Schicht, fehlt er trotzdem in jeder Auswertung der Instandhaltung.
- Nicht jeder Stillstand ist ein Fall für die Instandhaltung. Fehlendes Material, fehlendes Personal oder ein Auftragswechsel sind Stillstände, aber keine Störungen. Werden sie als Störmeldung erfasst, verfälschen sie die MTTR.
Keine dieser Lücken bedeutet, dass die Instandhaltung schlecht arbeitet. Sie zeigen nur, dass ein Auftragssystem für die Steuerung von Arbeit gebaut ist und nicht für die Messung der Maschinenzeit.
Die vier Phasen eines Stillstands
Um MTTR und Verfügbarkeit sinnvoll zu nutzen, hilft es, jeden technischen Stillstand in Phasen zu zerlegen. Jede Phase hat eine andere Ursache und einen anderen Hebel. Die Tabelle zeigt ein allgemeines Schema, keine Werte aus einem bestimmten Werk.
| Phase | Von bis | Wer sie typischerweise sieht | Typischer Hebel |
|---|---|---|---|
| Meldezeit | Maschine steht bis Störmeldung | Nur die Messung an der Maschine | Automatische Alarmierung, klare Meldewege |
| Reaktionszeit | Störmeldung bis Instandhalter an der Anlage | Instandhaltungssoftware | Bereitschaft, Priorisierung, Wege |
| Reparaturzeit | Beginn bis Ende der Reparatur | Instandhaltungssoftware | Ersatzteile, Dokumentation, Qualifikation |
| Wiederanlauf | Reparatur beendet bis stabiler Takt | Nur die Messung an der Maschine | Freigabeprozess, Einstellwerte, Anlaufroutine |
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Ein Auftrag dauert laut Instandhaltungssoftware 40 Minuten. Die Messung an der Maschine zeigt, dass sie schon einige Minuten vor der Meldung stand und nach dem Schließen des Auftrags noch eine Weile unter Nenntakt lief. Für die Produktion zählt die gesamte Zeit. Wer nur die Reparaturzeit verbessert, arbeitet an einem Teil des Problems und sieht nicht, ob der größere Verlust in der Meldezeit oder im Wiederanlauf liegt.
Welche Stillstandsdaten die Instandhaltung wirklich braucht
Für eine belastbare Verfügbarkeit pro Schlüsselanlage reichen wenige Daten, wenn sie vollständig und automatisch erfasst sind:
- Beginn und Ende jedes Stillstands, gemessen an der Maschine, unabhängig davon, ob eine Störmeldung erzeugt wurde.
- Ein Grund pro Stillstand, mit einer klaren Trennung zwischen technischen Störungen und organisatorischen Ursachen wie Material, Personal oder Auftragswechsel.
- Die Verknüpfung mit dem Instandhaltungsauftrag, damit Melde-, Reaktions- und Reparaturzeit getrennt sichtbar werden.
- Häufigkeit und Summe kurzer Stillstände, getrennt von den gemeldeten Störungen ausgewertet, weil sie die MTTR verzerren, aber in der Verfügbarkeit fehlen.
- Die Zeit bis zum stabilen Takt nach jeder Reparatur, damit der Wiederanlauf nicht im Leistungsverlust verschwindet.
Mit diesen Daten lässt sich die MTTR in ihre Bestandteile zerlegen. Je nach Definition im Betrieb umfasst sie nur die Reparatur oder die gesamte Zeit vom Ausfall bis zur Wiederinbetriebnahme. Wichtig ist, dass alle Beteiligten dieselbe Definition verwenden und dass die Zeitstempel nicht aus dem Gedächtnis stammen.
In fünf Schritten Störmeldungen und gemessene Stillstände abgleichen
- Schlüsselanlagen festlegen. Beginnen Sie mit den drei bis fünf Anlagen, deren Ausfall die Lieferfähigkeit am stärksten trifft. Dort lohnt sich der Abgleich zuerst.
- Stillstände automatisch messen. Erfassen Sie an diesen Anlagen jeden Stillstand mit Beginn, Ende und Dauer, über zwei bis vier Wochen, ohne die bestehenden Meldewege zu ändern.
- Mit den Aufträgen vergleichen. Legen Sie die gemessenen Stillstände neben die Störmeldungen derselben Zeit. Notieren Sie, welche Stillstände keinen Auftrag haben und wie groß die Abweichung bei Beginn und Ende ist.
- Die größte Phase angehen. Liegt der Verlust vor allem in der Meldezeit, helfen automatische Alarme. Liegt er im Wiederanlauf, gehören Freigabe und Einstellwerte auf den Tisch. Liegt er in der Reparatur, setzen Ersatzteile, Dokumentation und präventive Wartung an.
- Verfügbarkeit aus der Messung berichten. Berechnen Sie die Verfügbarkeit pro Schlüsselanlage künftig aus den gemessenen Stillständen und nutzen Sie die Aufträge für die Ursachen und die Arbeit der Instandhaltung.
So entsteht eine Arbeitsteilung, die beiden Seiten nützt: Die Instandhaltungssoftware steuert Aufträge, Wartungspläne und Dokumentation, die Messung in der Produktion liefert die Maschinenzeit, an der sich der Erfolg der Instandhaltung messen lässt.
TEEPTRAK übernimmt die Messseite. Ein Modul im Schaltschrank und ein Sensor an der Linie erfassen jeden Stillstand und jeden Kurzstillstand automatisch, ohne Anbindung an die Steuerung. Die Installation dauert etwa eine Stunde pro Maschine, die OEE mit ihrem Verfügbarkeitsfaktor steht nach 48 Stunden zur Verfügung. TEEPTRAK ist in über 700 Werken in mehr als 30 Ländern im Einsatz und ergänzt eine Instandhaltungssoftware, ohne sie zu ersetzen.
Weiterlesen
- Fabriksstillstand reduzieren: Instandhaltung und Verfügbarkeit im Mittelstand, EquipPanel
- Wartungs-Dashboard im KMU: Welche Produktionsdaten wirklich hineingehören
- Automatisches Andon: Alarme aus gemessenen Maschinenstillständen auslösen
FAQ
Warum weicht die Stillstandsdauer aus der Störmeldung von der gemessenen ab? Weil der Auftrag erst mit der Meldung beginnt und meist mit dem Ende der Reparatur schließt. Die Zeit, in der die Maschine vor der Meldung steht, und der Wiederanlauf bis zum stabilen Takt fehlen. Kurze Stillstände ohne Meldung fehlen ganz.
Gehören Materialmangel und Auftragswechsel in die MTTR? Nein. Sie sind Stillstände und gehören in die Verfügbarkeit der Anlage, aber nicht in die MTTR der Instandhaltung. Werden sie als Störung erfasst, sieht die Instandhaltung schlechter aus, als sie ist, und die Ursachen werden an der falschen Stelle gesucht.
Ersetzt eine Stillstandsmessung die Instandhaltungssoftware? Nein. Die Messung liefert die Maschinenzeit, die Instandhaltungssoftware steuert Aufträge, Wartungspläne, Ersatzteile und Dokumentation. Zusammen zeigen sie, wie lange ein Stillstand dauert und was die Instandhaltung dagegen tut.
0 Kommentare