Dieser Artikel richtet sich an Werkleiter, Produktionsleiter, Verantwortliche für kontinuierliche Verbesserung, Arbeitsvorbereitung und Instandhaltung, die Rüstzeiten verkürzen oder bereits verkürzt haben und wissen wollen, was davon am Ende als Kapazität ankommt. Er zeigt, warum eine kürzere Rüstzeit allein noch keine zusätzlichen Produktionsstunden bedeutet, welche Rolle Rüsthäufigkeit und Losgröße dabei spielen und wie Sie messen, wie viel Kapazität tatsächlich frei wird.
- Für die Kapazität zählen Rüststunden pro Woche, nicht die Rüstdauer allein.
- Kleinere Losgrößen erhöhen die Rüsthäufigkeit und verbrauchen gewonnene Zeit.
- Nur an Engpassmaschinen wird gewonnene Rüstzeit direkt zu Ausstoß.
- Legen Sie vorher fest, wofür die gewonnene Zeit verwendet wird.
Was swissLean über die Rüstzeitreduzierung schreibt
Im Beitrag Rüstzeiten reduzieren in der Produktion Schweiz: So geht es beschreibt swissLean, wie Betriebe ihre Rüstvorgänge mit SMED verkürzen, und schließt die fünf Schritte mit einem klaren Grundsatz ab: „Was nicht gemessen wird, wird nicht verbessert.“
Die fünf Schritte im Beitrag sind praxisnah: interne und externe Rüstzeiten trennen, die Vorbereitung vorziehen, Abläufe standardisieren, Wege und Handgriffe reduzieren und die Verbesserung kontinuierlich messen. Als Praxisbeispiel nennt swissLean einen Fertigungsbetrieb, der seine Rüstzeiten von 45 auf 20 Minuten verkürzt hat, ohne neue Maschinen. Der Beitrag liefert damit die Methode für den einzelnen Rüstvorgang. Dieser Artikel ergänzt ihn um eine Frage, die nach dem Projekt fast immer kommt: Wie oft wird gerüstet, mit welchen Losgrößen, und wie viele Stunden stehen der Produktion danach wirklich zusätzlich zur Verfügung?
Gewonnene Rüstminuten sind noch keine gewonnene Kapazität
Nach einem erfolgreichen SMED-Workshop wird meist eine Zahl kommuniziert: die neue Rüstdauer pro Vorgang. Für die Kapazität einer Maschine zählt aber eine andere Größe, nämlich die Rüststunden pro Woche. Sie ergeben sich aus zwei Faktoren: der Dauer eines Rüstvorgangs und der Anzahl der Rüstvorgänge. Wer nur den ersten Faktor misst, kann nicht sagen, ob die Maschine nach dem Projekt mehr produziert.
Dazu kommen drei Effekte, die den Gewinn auf dem Papier schmälern:
- Die Rüsthäufigkeit verändert sich. Wenn das Rüsten leichter wird, rüstet die Planung öfter, bewusst oder unbewusst. Die gewonnenen Minuten pro Vorgang werden dann durch zusätzliche Vorgänge wieder aufgebraucht.
- Der Hochlauf wird nicht mitgezählt. Die Maschine läuft wieder, aber noch nicht im Nenntakt, oder die ersten Teile sind Ausschuss. Steht der Rüstvorgang im Protokoll als beendet, ist die Zeit bis zur stabilen Produktion trotzdem verloren.
- Die Maschine ist kein Engpass. Eine Maschine, die ohnehin auf Aufträge oder Material wartet, wandelt gewonnene Rüstzeit in Wartezeit um, nicht in Ausstoß.
Keiner dieser Effekte stellt SMED in Frage. Sie zeigen nur, dass die Verkürzung des Rüstvorgangs und die Freisetzung von Kapazität zwei verschiedene Ergebnisse sind, die getrennt gemessen werden müssen.
Die Rechnung: Rüstdauer mal Rüsthäufigkeit
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Eine Maschine rüstet zehnmal pro Woche, die Rüstdauer sinkt von 40 auf 25 Minuten. Das ergibt 150 Minuten, also zweieinhalb Stunden pro Woche. Eine zweite Maschine mit derselben Verbesserung rüstet nur zweimal pro Woche und gewinnt 30 Minuten. Gleiche Methode, gleiche Verbesserung pro Vorgang, aber ein Unterschied um den Faktor fünf bei der freigesetzten Zeit. Die Rüsthäufigkeit entscheidet also mit darüber, wo sich ein Rüstprojekt am meisten lohnt.
Die folgende Tabelle zeigt typische Situationen und was eine kürzere Rüstzeit jeweils bringt. Es handelt sich um allgemeine Muster, nicht um Ergebnisse eines bestimmten Werks.
| Situation | Was die kürzere Rüstzeit bringt | Was Sie messen sollten |
|---|---|---|
| Engpassmaschine, Losgrößen bleiben gleich | Zusätzliche Produktionsstunden, also echte Kapazität | Rüststunden pro Woche, Produktionszeit, Ausstoß |
| Engpassmaschine, Losgrößen werden verkleinert | Mehr Flexibilität und weniger Bestand; Kapazität nur, wenn die Rüststunden insgesamt sinken | Rüsthäufigkeit und Rüststunden gesamt, vorher und nachher |
| Maschine ohne Engpass | Mehr Wartezeit statt mehr Ausstoß; der Nutzen liegt in Flexibilität oder Personaleinsatz | Stillstände ohne Auftrag oder Material, Auslastung |
| Kurzer Rüstvorgang, langer Hochlauf | Ein Teil des Gewinns bleibt unsichtbar oder geht im Hochlauf verloren | Zeit bis zur stabilen Taktzeit nach jedem Rüstvorgang |
Losgröße: wenn die freigewordene Zeit wieder verbraucht wird
Kürzere Rüstzeiten werden oft genutzt, um die Losgrößen zu verkleinern. Das ist häufig genau richtig: weniger Bestand, kürzere Durchlaufzeiten, schnellere Reaktion auf Kundenaufträge. Nur sollte die Entscheidung bewusst getroffen werden, denn sie verbraucht die gewonnene Zeit.
Zurück zum Beispiel: Halbiert das Werk nach dem Projekt die Losgrößen, verdoppelt sich die Rüsthäufigkeit von zehn auf zwanzig Vorgänge pro Woche. Bei 25 Minuten pro Vorgang sind das 500 Minuten Rüstzeit, vorher waren es 400. Die Maschine rüstet nun mehr als vor dem SMED-Projekt, obwohl jeder einzelne Rüstvorgang deutlich schneller ist. Das kann sinnvoll sein, wenn die Maschine Reserven hat. An einem Engpass bedeutet es weniger Ausstoß.
Die praktische Konsequenz: Legen Sie vor dem Projekt fest, wofür die gewonnene Zeit verwendet wird. Entweder mehr Ausstoß bei gleichen Losgrößen, oder kleinere Lose bei gleicher Rüstzeit pro Woche, oder eine bewusste Mischung. Ohne diese Festlegung entscheidet die Planung Woche für Woche neu, und niemand kann am Ende sagen, wo die Stunden geblieben sind.
In fünf Schritten prüfen, wie viel Kapazität wirklich frei wird
- Jeden Rüstvorgang automatisch erfassen. Zählen Sie Anzahl und Dauer aller Rüstvorgänge pro Maschine über drei bis vier Wochen, einschließlich Hochlauf bis zum stabilen Takt. Das ist Ihre Ausgangsbasis.
- Rüststunden pro Woche berechnen. Multiplizieren Sie Rüsthäufigkeit und mittlere Rüstdauer pro Maschine. Ordnen Sie die Maschinen nach Rüststunden, nicht nach Rüstdauer.
- Engpässe kennzeichnen. Prüfen Sie für jede Maschine, ob sie auf Aufträge wartet oder ob Aufträge auf sie warten. Nur am Engpass wird gewonnene Rüstzeit direkt zu Ausstoß.
- Das Ziel festlegen. Entscheiden Sie mit Planung und Vertrieb, ob die gewonnene Zeit in mehr Ausstoß, in kleinere Losgrößen oder in eine Mischung fließt, und schreiben Sie die Zielwerte für Rüsthäufigkeit und Rüststunden auf.
- Nach der Maßnahme gleich weitermessen. Vergleichen Sie Rüstdauer, Rüsthäufigkeit, Rüststunden und Produktionszeit mit der Ausgangsbasis. Weicht die Rüsthäufigkeit vom Ziel ab, sprechen Sie mit der Planung, bevor der Gewinn verschwindet.
TEEPTRAK liefert die Daten für diese Prüfung. Ein Modul im Schaltschrank und ein Sensor an der Linie erfassen jeden Stillstand und jeden Rüstvorgang automatisch, ohne Anbindung an die Steuerung. Die Installation dauert etwa eine Stunde pro Maschine, die OEE steht nach 48 Stunden zur Verfügung. So sehen Sie Rüstdauer, Rüsthäufigkeit und Hochlauf für jede Maschine, vor und nach dem Projekt. TEEPTRAK ist in über 700 Werken in mehr als 30 Ländern im Einsatz.
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FAQ
Setzt eine kürzere Rüstzeit automatisch Kapazität frei? Nein. Kapazität entsteht nur, wenn die Rüststunden pro Woche sinken und die Maschine die gewonnene Zeit für Produktion nutzen kann. Steigt die Rüsthäufigkeit, etwa durch kleinere Losgrößen, oder ist die Maschine kein Engpass, kommt wenig oder nichts als Ausstoß an.
Sollte man nach einem SMED-Projekt die Losgrößen verkleinern? Das kann sinnvoll sein, um Bestand und Durchlaufzeit zu senken. Es sollte aber eine bewusste Entscheidung sein, mit einem Zielwert für die Rüsthäufigkeit, denn kleinere Lose verbrauchen die gewonnene Zeit ganz oder teilweise.
Wie misst man Rüsthäufigkeit und Rüstdauer zuverlässig? Am besten automatisch über den Maschinenzustand, mit Beginn und Ende jedes Rüstvorgangs und der Zeit bis zum stabilen Takt. Handnotizen unterschätzen meist kurze Rüstvorgänge und lassen den Hochlauf weg.
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